Direkt aus dem himmlischen Senderaum

An meinen spontanen Eingebungen muss ich noch arbeiten, (kann man das überhaupt)? Fest steht, dass ich eher ein Schreibflüchtling als eine besessene Schreiberin bin. Vor allem wenn ich mir vorgenommen habe, Gewichtiges zu Papier zu bringen, fällt mir ein, dass ich vorher doch noch putzen, spülen oder zumindest in Ruhe Kaffee trinken muss.

Aber eine meiner Marotten gefällt mir: Ich wälze gerne in alten Bücher und suche blind nach einer Stelle, die mich interessieren könnte. Jetzt ist mir „Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch“ von Henry Miller in die Hände gefallen. Ein angegriffener Umschlag, völlig vergilbte Seiten und gefühlte 4-Punkt-Schrift ohne nennenswerten Seitenrand. Eigentlich unlesbar, zumindest für nicht mehr taufrische Augen. Wer sich trotzdem ran traut, macht eine Zeitreise in die 50er-Jahre.  Die 60er kündigen sich schon an, und der Text istaus heutiger Sicht so unzeitgemäß, dass er Problemponys zur Anti-Männer-Demo aufwiegeln könnte, wenn sie es denn lesen würden. .

Was mich allerdings noch mehr interessiert, ist die Schreibroutine von Miller, man könnte es auch Intuition nennen. Hört selbst:

„Aus keinem erklärbaren Grunde, wenn es nicht eine Überdosis ausschweifenden Lebens war, begann eines Tages das Diktat. Überglücklich, aber vorsichtiger als früher ging ich augenblicklich zu dem schwarzen Schreibtisch… und rief: „Je T’ecoute. Vas-y!“ – „Ich höre Dich, leg los.“ Und wie es losging! Ich brauchte mich nicht um Komma und Strichpunkt zu kümmern, es wurde alles diktiert, direkt aus dem himmlischen Senderaum. Erschöpft bat ich um eine Pause, um eine Unterbrechung, um ein wenig Zeit, auf das Klo zu gehen, ein wenig frische Luft auf dem Balkon zu schöpfen. Nichts zu machen! Ich musste alles auf einmal aufnehmen oder die Strafe riskieren: Exkommunikation!“

Nun gut, vielleicht hat ihn ja Big Sur, jene wilde, kalifornische Steilküste, an der sich in den 50-er und 60er-Jahren die Aussteiger trafen, so sehr fasziniert, dass „Es“ ihn übermannte.

Als ich dort war, hatte ich vor allem Hunger. Dass weit und breit nur grandiose Landschaft war, verunsicherte mich derart, dass ich ausschließlich von fettem Essen träumen konnte und deprimiert durch eine der schönsten Regionen der Welt lief.

Das Leben ist manchmal rätselhaft, und die Frage bleibt: Wie schnappt man sich dieses „Es“, mit dem ja angeblich alles von alleine geht?

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