Das ultimative Grün. Oder war es blau?

Mitten im Raum stand ein großer Tisch und darauf lagen einige Farbtöpfe. »Schauen Sie, gestern habe ich das ultimative Grün erfunden. Ich habe wochenlang danach gesucht. Farn und Eichenblatt miteinander verglichen. Auch den Grashalm dazugelegt. Wer hat das schönste Grün? Nun ist es da. Schauen Sie.«
Er öffnete eine der Dosen, stellte sie direkt ins Sonnenlicht unter die Fensteröffnung, und Charlotte sah ein Grün, das leuchtete wie eine Wiese, aber durchmischt war von den irrlichternden Weiten des Himmels.
Inspiriert habe ihn Yves Klein, der mit seinem Ultramarin die Kunstwelt verblüfft hatte, ein Blau, das völlig einfarbig den Betrachter einsaugte in seine Magie. Er dagegen wolle niemanden verschlingen, sondern er wolle ermutigen mit diesem Grün; ein Gleichnis auf die Schönheit der Erde solle es sein, grenzenlos und voller Möglichkeiten.
So ganz konnte Charlotte seine Begeisterung nicht verstehen. Deshalb sagte sie einfach »nett« und fragte, ob er denn überhaupt male.
»Das ist nicht wichtig. Ich spiele. Ich spiele mit allem, was mir unter die Finger kommt. Vielleicht werde ich gleich auch malen. Ich weiß es noch nicht. Mal sehen. Das Schöne an einem langen Tag ist ja, dass jede Stunde eine andere Stimmung hat und andere Möglichkeiten. Ich weiß noch nicht, wonach mir heute um vier Uhr der Kopf stehen wird, vielleicht werde ich dann einfach irgendwo sitzen und ein Eis essen oder Flöte spielen. Wenn ich diesen inneren Regungen präzise folge, bin ich sehr glücklich. Im Augenblick, auf dem Punkt. Einfach im Leben. Seit ich so rumspiele, weiß ich nicht mehr, wie viel Zeit überhaupt verstrichen ist. Probieren Sie es doch mal aus.«

Aus dem Roman „Frau Kassel will Wunder“

Ist der Teufel zufrieden mit mir?

Da ist mir ein schönes Buch in die Hände gefallen. Schwarz-Weiß, wie es gerade Mode ist, und voller Fragen, wie sie früher einmal gestellt worden sind, als das noch weitergeholfen haben muss.
„Findet mich das Glück?“ steht provozierend auf dem Titel. Schon das macht mich stutzig. Bisher habe ich immer gedacht, dass ich es bin, die das Glück sucht, wie das grüne Männchen die Ampel.
Schon lese ich weitere Fragen: „Soll ich mich betrinken?“ ist ja noch leicht zu verneinen, aber „Ist der Teufel zufrieden mit mir?“
Für mich wird das schwierig. Zumal die dicken Fragen noch kommen: „Darf sich die Wahrheit alles erlauben?“, „Wird der Bereich des Möglichen immer kleiner?“, „Gibt es heute einen ähnlich großen Irrtum wie die Vorstellung der Welt als Platte?“.
Genug. Das erschöpft mich.
Und da fällt mir ein, dass ich in den 80ern schon mit einer Frage aus den Tagebüchern von Max Frisch überfordert war, die ganz einfach klang: „Möchten Sie Ihr Hund sein?“
Ganz ehrlich, darauf weiß ich bis heute keine Antwort.

Flötentöne

»Ich spiele. Ich spiele mit allem, was mir unter die Finger kommt. Vielleicht werde ich gleich auch malen. Ich weiß es noch nicht. Mal sehen. Das Schöne an einem langen Tag ist ja, dass jede Stunde eine andere Stimmung hat und andere Möglichkeiten. Ich weiß noch nicht, wonach mir heute um vier Uhr der Kopf stehen wird, vielleicht werde ich dann einfach irgendwo sitzen und ein Eis essen oder Flöte spielen. Wenn ich diesen inneren Regungen präzise folge, bin ich sehr glücklich. Im Augenblick, auf dem Punkt. Einfach im Leben. Seit ich so rumspiele, weiß ich nicht mehr, wie viel Zeit überhaupt verstrichen ist.« Aus dem Roman: Frau Kassel will Wunder