Wer morgens in eine mallorquinische Bar geht, sieht Männer am Tresen, vor sich einen Espresso, daneben einen kleinen Schnaps. Außer einem Madeleine in Zellophan gibt es nichts zu essen. Stattdessen Kaffee, schwarz wie die Hölle, Anis, Brandy oder was die Flaschenparade im Spiegelregal sonst so hergibt.
Meist bleibt Mann nicht lange, er lebt ja nur sein kleines Kneipenintermezzo. Einer kommt, bestellt einen Chupito und einen zweiten für den Wirt. Er winkt und geht hinaus, herein marschiert der Nächste, spendiert sich selbst und dem Mann hinter dem Tresen Anis und geht. Beim Dritten denke ich: Im Gläschen des Wirts kann nur Wasser sein, morgens um 10 Uhr, am blankgeputzten Tresen. Doch beim vierten Spendiergast sehe ich es ganz deutlich: Der Wirt schenkt ihm und sich ein – direkt aus der Flasche, dazu lacht er geradezu liebevoll über den Tresen.
Ich weiß nicht, ob der Wirt Geburtstag hat, ich weiß nicht, wie viel Schnaps er sonst trinkt, morgens zwischen 10 und 11 Uhr, ich kann nur staunen über die Freude, mit der er jedes Pinnchen hinunterschluckt.
Und während ich nachdenke, wie viel der Mensch verträgt von Schnaps und Kaffee am frühen Morgen, fällt es mir wie Schuppen von den Augen, und ich sehe: Eine Kneipe wie ein Theater.