Traumverloren

Ein Gemälde, irreal wie ein Traum, gefunden auf einem Flohmarkt in Madrid. Die Leinwand lag in einer Ecke, unbeachtet, scheinbar wertlos. Wir waren sofort interessiert. Diese Kinder: Skizziert erscheinen ihre Körper, die blauen! Gesichter aber sind präzise gemalt, gleichsam lebendig in einer verschwindenden Welt. Womit spielen sie? Was interessiert sie? Das Ding in den Händen gleicht einem altmodischen Handy, aber gab es zu der Zeit, als es gemalt wurde, schon Handys?
Fragen über Fragen. Die Allerwichtigste: Kennt jemand zufällig ihren Maler? Keine Signatur, kein Zeichen weist den Weg zu ihm oder zu ihr. Aber er erweckt Aufmerksamkeit. Kein anderes Bild im Haus zieht so viele Betrachter an, die traumverloren vor dem Ölgemälde stehen und sich fragen, wer sie wohl sind, diese Kinder und wo sie so selbstvergessen spielen. 

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Ein Himmel voller Wunder

Was so naiv anmutet, ist der winzige Teil eines Wandteppichs der Sami-Künstlerin Britta Marakatt-Labba, der, stolze 23,5 Meter lang, eine Hallenwand der diesjährigen Documenta prägt. Wer sich den zarten Stickereien nähert, wird von Ungewöhnlichem berührt, denn die Künstlerin zeigt die Seelenwanderung ihres Volkes, die in einigen Passagen von hohen Himmeln voller Wunder erfüllt ist. Diese spirituelle Energie ist spürbar, ein Bild voller Verheißung, hinter der sich auch eine düstere Botschaft versteckt: Die Sami mit ihren riesigen Rentierherden sind vom Aussterben bedroht, weil Rohstoffjäger ihre Heimat im hohen Norden Europas gierig betrachten. Die zarte Kunst ist ein stiller Protest gegen die Willkür der Macht – der Documenta sei Dank, dass sie zur Diskussion beiträgt und uns zeigt, was es heißt, Spiritualität zu leben.

Auch „Pu der Bär“ muss sich verstecken  

Es ist schon erstaunlich, was Marta Minujín auf der Kasseler „documenta“ angerichtet hat: Da steht ihr „Parthenon of the Books“ und protestiert in riesigen Dimensionen gegen jegliche Zensur. Wer genauer hinschaut, entdeckt, dass dies bitter nötig ist, denn irgendwo ist irgendein Buch offensichtlich immer auf dem Index. „Harry Potter“ zählt dazu, Tolkiens „Herr der Ringe“ oder „Der Fänger im Roggen“.
Alles Nennenswerte an Literatur ist umschlungen von silbrigen Plastikbahnen, die die Bücher schützen und gleichzeitig offen legen für neugierige Blicke.
Gestern ist ein weiteres verbotenes Werk hinzugekommen. „Winnie the Pooh“, der ebenso niedliche wie einfältige Bär, der am allerliebsten Honig schleckt den lieben langen Tag, ist aus den sozialen Netzwerken Chinas verbannt worden, weil viele ihn mit ihrem Staatschef Xi Jinping verglichen haben.
Wer wütend oder gar enttäuscht ist, dass die Zensur selbst vor Kinderbuchfiguren nicht halt macht, mag sich trösten. Abends, wenn die späte Sonne ihre Strahlen auf die silbrige Haut des Parthenon schickt, wirkt das riesige Gestell so transparent, als hätten sich die Buchstaben längst im großen Weltgeist aufgelöst und selbständig gemacht – aller Willkür zum Trotz.

Die 12 Rauhnächte – Die Zeit zwischen den Jahren

Ich habe noch eine schöne Ergänzung gefunden. Die Raunächte gleichen dem „stillen Punkt“, der Ruhe zwischen Einatmen und Ausatmen.

Ganzheitlich Schlafen

winter-1910.jpg!Large Vilhelms Purvitis – Winter, 1910

In unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig für uns, Momente der Ruhe und Besinnung zu schaffen. So wie die Nacht unseren Tag bestimmt, so schaffen wir im Winter die Voraussetzung für die folgenden Jahreszeiten.

In der Zeit zwischen den Jahren, von unseren Vorfahren auch Rauhnächte genannt, sollte Ruhe das höchste Gebot sein. Früher glaubte man, das übermäßige Aktivitäten in dieser Zeit Unglück bringe. Erschöpfung, Depression und eine Schwächung unserer Abwehrkräfte waren die Auswirkungen davon.

Als Rauhnächte bezeichnet man die Tage und Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar, stellvertretend für die folgenden 12 Monate. Bei der Umstellung des Mondkalender (354 Tage) auf auf den Sonnenkalender (365 Tage) ergab sich eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten. Diese Tage, die außerhalb der Zeit lagen, waren von der Geisterwelt beherrscht. Dementsprechend sorgsam gestaltete man die Rauhnächte. Was am 25. Dezember geschah war z.B. ein…

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Lass dich mal blicken, Biber

Leider finde ich oft nicht das, was ich suche. Eigentlich bin ich zu dem kleinen Waldteich gewandert, um endlich einen Biber zu sehen. Er soll dort wohnen in den schlammigen Gründen, umgeben von Fichten und Eichen, eingerahmt mit morastigen Ufern, an denen eine verlotterte Bank auf mich wartet. Immer wenn ich endlich mal wieder Zeit für sie habe.
Dort saß ich also, äugte aufs Wasser, suchte Biberisches, fand nur dann und wann ein  Glucksen an der sich kräuselnden Wasseroberfläche, nestelte dennoch an meiner Kamera und fotografierte in der Gegend herum.
Der Krauskopf oben ist der Dank. Ich habe ihn erst zuhause mit Liebe angeschaut. Das fotografische Auge sammelte ihn ein. Aber dass er sich so hübsch ins Licht reckt mit seiner moosigen und seiner plüscheligen Seite, habe ich in der Natur nur unterbewusst  wahrgenommen.
Manchmal ist es doch gut, eine Kamera zu haben, die dem Detail einen Sinn verleiht und das Kleine groß macht.