Ist der Teufel zufrieden mit mir?

Da ist mir ein schönes Buch in die Hände gefallen. Schwarz-Weiß, wie es gerade Mode ist, und voller Fragen, wie sie früher einmal gestellt worden sind, als das noch weitergeholfen haben muss.
„Findet mich das Glück?“ steht provozierend auf dem Titel. Schon das macht mich stutzig. Bisher habe ich immer gedacht, dass ich es bin, die das Glück sucht, wie das grüne Männchen die Ampel.
Schon lese ich weitere Fragen: „Soll ich mich betrinken?“ ist ja noch leicht zu verneinen, aber „Ist der Teufel zufrieden mit mir?“
Für mich wird das schwierig. Zumal die dicken Fragen noch kommen: „Darf sich die Wahrheit alles erlauben?“, „Wird der Bereich des Möglichen immer kleiner?“, „Gibt es heute einen ähnlich großen Irrtum wie die Vorstellung der Welt als Platte?“.
Genug. Das erschöpft mich.
Und da fällt mir ein, dass ich in den 80ern schon mit einer Frage aus den Tagebüchern von Max Frisch überfordert war, die ganz einfach klang: „Möchten Sie Ihr Hund sein?“
Ganz ehrlich, darauf weiß ich bis heute keine Antwort.

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Im Schrott

Manchmal erzählt der Schrott Geschichten und untermauert die These, dass alles voller Wunder ist – selbst ein klappriges Fahrrad. Doch das Geheimnis bleibt: Wann strahlt das Ding Faszination aus, wann wirkt es wie Müll? Kann jemand die nötige Anordnung beschreiben – für eine Kunstinstallation? Das Dahinter wirkt – oder nicht. Da helfen keine Worte.

Der Sinn ist dahin

„Wer bin ich?“ ist die große Frage der Menschheit und Grundlage jeder Therapie. Für alle, die es leid sind, sich selbst dies immer wieder zu fragen, gibt es jetzt Rat von einer mir lieb gewordenen Internetseite „The School of Life“. Da drehen die Autoren einfach mal den Spieß rum und raten im nun beginnenden „Was-schenke-ich-wem-Weihnachtsspiel“: „Kaufen Sie dem Beschenkten etwas für sein besseres Selbst. Was möchte er sein?“
Als ich das las, war ich entsetzt: Ist es schon schweißtreibend zu überlegen, wer ich selbst bin, soll ich nun noch bei meinen Nächsten die tiefsten Wünsche erraten bzw. ihr wahres Selbst erkunden.
Im Vertrauen auf gute Ideen der Autoren bin ich sofort in ihren Shop gegangen und wurde bitter enttäuscht. Ich hatte die Wahl zwischen einer Leuchtschrift, die „Thank you“ verkündete, einem Abtrockentuch mit der Aufschrift „Cooking as Therapy“ und Karten, auf denen das Wörtchen „Calm“ prangt.
Was sonst noch im Angebot war, weiß ich nicht. Ich habe einfach nichts mehr erwartet, aber wieder eine Lektion gelernt: Sobald die Sinnsuche kommerziell wird, ist der Sinn dahin.

Über Wolken gehn

„Einfach wieder schlendern, über Wolken gehen…“

Heute Abend ist mir nach Konstantin Wecker. Langsam, langsam. Hören. Schweigen.

„Mit den Wiesen schnuppern, mit den Winden drehn…“

Kein Plan. Nirgends.

„Und die Stille senkt sich leicht in dein Gemüt…“  

Der Augustregen – ein Geschenk im Nirgendwo.

„Muss man sich denn stets verrenken, um sich selber abzulenken…“

Ach, kommt, hört einfach und schaut… Dieser  letzte  Abend im August.

Schein und Sein

Stephan Balkenhol im Skulpturenpark "Waldfrieden"

»Die Welt ist das, was wir wahrnehmen, denn da wir von Illusionen sprechen, haben wir solche doch schon kennengelernt und als solche durchschaut, und wie vermochten wir es, wenn nicht aufgrund einer Wahrnehmung, die in eins sich als wahr bezeugte?«

Maurice Merleau-Ponty