Zugegeben, ich war erschrocken, als ich all diese Totenköpfe sah. Erst auf den zweiten Blick entdeckte ich, dass die weißen Schädel fröhlich glotzten und geschmückt mit bunten Blumen waren.
Zufällig habe ich eine mexikanische Freundin, und zufällig erzählte ich ihr davon. „Kennst du etwa den „Dia de los muertos“ nicht?“, fragte sie leicht irritiert. Ich musste das kleinlaut zugeben. Dann empfahl sie mir, „Coco“ anzuschauen. „Da erfährst Du alles – mit leichter Hand.“
Ich bin kein Fan von animierten Filmen, aber dieser Streifen ist wunderbar: „Coco“ erzählt vom 12-jährigen Miguel aus Mexiko, der versehentlich ins Land der Toten gerät, dort seinen verstorbenen Ururgroßvater trifft und nach turbulenten Abenteuern seinen Lebenstraum erfüllen kann, Musik zu machen.
Die emotionale Geschichte ist ein spielerischer Umgang mit dem Tod. Es gibt keine Berührungsängste. Leichthändig, turbulent und doch voller Würde wird der Übergang vom Diesseits zum Jenseits zelebriert, gespickt mit bunten Bildern. Absolut sehenswert.
Wenn ich jetzt die Totenköpfe in Porto Cristo sehe, freue ich mich über den Mut der beiden Tschechinnen, die ihr mexikanisches Restaurant „Taccofee“ mit ihnen schmücken. An jeder Ecke grinst ein weißer Kopf mit tiefen runden Augen die Gäste an.
Zu „Taccos“ und „Borritos“ gibt es eine Lektion mexikanischer Kultur: Das Reich der Toten ist mitten unter uns. Es gibt keinen Grund, sich davor zu fürchten. Die Toten sind niemals ganz tot. Zumindest solange wir ihre Fotos ins Wohnzimmer stellen, sind sie ganz gegenwärtig.
Mit solch einem Tod kann man doch leben.

Interessanter Beitrag. Mein Bruder lebt schon sehr lange in Mexiko, und dadurch habe ich schon einiges davon gehört. Auch den Name des Filmes hat er erwähnt. Aber ich habe ihn noch nicht angeschaut.
Danke
Einen lieben Gruß aus Solingen