Der Zauberer

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee,
und bauschiger schmiegt sich
sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger. 

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern,
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.

(Rainer Maria Rilke)

Schnee liegt in der Luft  und Kühle. Winter, gib uns den Zauberer.  

Spüren und Ahnen

Heute ist die längste Nacht des Jahres. Der Beginn der zwölf Rauhnächte, die auch andere Umschreibungen haben:  Als „leere Tage“, „tote Tage“ oder „Niemandszeit“ wurden sie benannt, denn – so glaubten unsere Ahnen – die bekannten Gesetzmäßigkeiten sind nun außer Kraft gesetzt, das Geheimnisvolle ist allgegenwärtig. Die Tore zum geistigen Reich öffnen sich. Es ist leichter, außersinnliche Erfahrungen zu machen.  Ideal ist diese Zeit – so glaubten die Alten -, um mit Orakeln in die Zukunft zu sehen.

Es ist die Zeit der Pläne, der Wünsche und guten Vorsätze. Eine Zeit der Innerlichkeit, die zum Spüren und Ahnen einlädt.

 

Lachen und träumen

Verloren ist nur, wer nicht mehr feiern, lachen, träumen und genießen kann. Das zeigten mir die Recherchen für den Bildband über Maastricht. Dieser Ort im südlichsten Zipfel von Limburg ist so oft belagert, erobert, bekämpft, zerstört, aufgebaut und neu erfunden worden, dass seine  Bewohner heute sehr bewusst den „Mestreechter Geis“ kultivieren, eine fröhliche, mediterrane Lebensart, die sich offensiv auf Café- und Restaurant-Terrassen zeigt, aber auch in der kühnen Kombination von Alt und Neu, sei es in der Architektur oder – wie das Foto beweist – der Straßenkunst.

Tanz mit dem Licht

Dunkel ist’s. Burg Hengebach reckt das Gemäuer in einen schwarzen Himmel. Menschenleer die Straßen, von Ferne kläfft leise ein Hund. Benetzt vom Nieselregen, schimmert der Asphalt.
Da: Im düsteren Rund flimmert Licht. Schatten huschen vorbei. Gewusel hinter weißem Tuch : Ein Hirsch, eine Leiter, ein Stuhl, ein Mann, eine Flasche Bier, eine Frau, ein Besen: Illusion oder Realität?
Egal: Ein Genuss ist dieser Tanz mit dem Licht. Ein Sprung aus dem Alltag.
Dank an Peer, der uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Kurz vor Weihnachten, ein paar Minuten lang.