Raus. Raus. Raus.

Heute können wir noch einmal saumselig unter Bäumen sitzen und die Zeit verplaudern. In diesem Fall bietet Maastricht die Kulisse, denn hier wird Geschmack groß geschrieben. Viele Häuser mühen sich, dem Image der Genießerstadt  Rechnung zu tragen: Fast 400 Kneipen und Restaurants kommen auf 125.000 Einwohner. Und auch die 16 Millionen Touristen im Jahr wollen verwöhnt sein. Auf jeden Fall gibt es für jeden Geschmack etwas und sei es das Ambiente eines malerischen Plätzchens, auf dem die Terrassen unter freiem Himmel zur Muße einladen – als gäbe es keine Sorgen auf der Welt.

Verwunschen, diese Welt

Auch wenn ich eine Frau bin, etwas eitel dazu, gefällt mir der Name „Altweibersommer“, zumal wenn er so prächtig daher kommt wie in diesen Tagen. Wer früh morgens durch die Wälder zieht, wenn noch Feuchtigkeit auf den Zweigen nistet und zarte Nebel schweben, entdeckt Geheimnisvolles. Die Sträucher sind über und über bedeckt mit silbrig gewebten Zelten, die wie Vorboten des Engelshaars wirken, das früher fast jeden Weihnachtsbaum schmückte. Verwunschen, ein wenig verloren wirkt die Welt, wie versteckt unter geheimnisvollen Hauben, in denen die Stille wohnt.
Nüchterne Zeitgenossen haben natürlich sofort eine Erklärung: Im Herbst segeln junge Baldachinspinnen auf selbst produzierten Spinnfäden durch die Luft und weben unermüdlich das Netz, auf dem die Tautropfen prächtig glitzern. Manchen erinnert so etwas an das graue Haar alter Frauen. Und mit „weiben“ wurde einst das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Der Begriff Altweibersommer ist damit nicht mehr weit.
Mir jedoch gefällt eher die Idee, dass die drei Nornen, die das Schicksal weben, sich in diesen Tagen zeigen und um etwas Nachdenklichkeit bitten – am besten früh morgens in den Wäldern.