Bankenkrise

In der Eifel, so bemerke ich mit Bedauern, werden die Bänke rar. Im Nationalpark ist das Politik. Die Menschen sollen nicht lange an einem Ort verweilen, schon gar nicht Butterbrote auspacken oder Kaffee trinken. Auf ausgeschilderten Wegen sollen sie gehen, vielleicht noch kurz einen Mistkäfer beobachten und dann ist Schluss.
Aber auch auf anderen Pfaden mangelt es an Bänken. Ob die Wanderfreunde aussterben, die sie einst in Hülle und Fülle aufgestellt haben? Ob der Sinn für Muße schwindet? Ob die Sehnsucht nach Pausen fehlt? Ob der Wald keine tieferen Einblicke mehr bietet?
Ich kann nur hoffen, dass es irgendwann wieder Mode wird, Bänke zu setzen und Zeit für sie zu haben? Schließlich haben wir Vorbilder: Philemon und Baucis, die glücklichen Alten, sehe ich auf einer Bank Hand in Hand ihre letzten Tage genießen, liebend, gastfreundlich und vor allem zufrieden. Das wäre ein Ziel.

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Die Dämonen füttern

Im Roman „Frau Kassel will Wunder“ ist die Protagonistin wild entschlossen, alles mögliche auszuprobieren, was ihr helfen könnte, wieder gesund zu werden. Zur Seite steht ihr Paul, mit dem sie eine launige E-Mail-Korrespondenz führt. Hier mal ein Auszug:

17.15 Uhr:
Oh, je
Hey, lieber Paul. Was ich Ihnen noch gar nicht gesagt habe: Fragen Sie mich bloß nicht warum, ich zweifle langsam selbst an meinem mir bisher so klar erschienenen Verstand, aber in meiner Heilungssehnsucht war ich bei einer Geistheilerin mit dem schönen Namen Emma und habe außerdem noch einen Fernheiler engagiert, dem ich allerdings jetzt den Laufpass geben werde. Heute Abend um acht haben wir wieder ein telepathisches Meeting. Aber das ist mir eher unangenehm. Ich weiß nicht, wie ich ihn honorieren soll, und irgendwie komme ich mir komisch vor, jeden Abend um acht an einen Mann mit sonorer Stimme zu denken, der dann wohl auch an mich denkt. Ich jedenfalls spüre nichts. Hören Sie? Nichts! Charlotte.

17.30 Uhr:
Re: Oh, je
Dass Sie nichts spüren, ist ja furchtbar. Was könnte furchtbarer sein? Charlotte, wenn Sie nichts spüren, sind Sie tot! Hey, was haben Sie gemacht? Und: Bleiben Sie um Gottes willen dem Fernheiler treu. Die Bezahlung ist doch das Letzte, was in diesem Zusammenhang wichtig ist. Im Übrigen habe ich im Internet beim Geistheiler-Dachverband gelesen, dass es den seriösen Könner auszeichnet, die Bezahlung dem Patienten zu überlassen. Also, Ihr Mann scheint in Ordnung zu sein. Paul

18.16 Uhr:
Re: Oh, je
Warum ich so oft nichts fühle? Ich weiß es nicht, vielleicht wollte ich irgendwann keine Schmerzen mehr fühlen, keine Sehnsucht, keine Angst. Ja, das kann gut sein. Ich hab mich dann in Arbeit gestürzt. Das lenkt ab. Zumal: Nüchterner und zielorientierter als die Kanzleiarbeit kann kaum etwas sein. Und der Fernheiler: Na gut, meinetwegen. Der strukturiert den Tag – wenn auch mit einer gewissen Leere.

18.32 Uhr:
Re: Oh, je
Liebe Treppennachbarin. Also, Fernheiler, erst mal nicht mehr umstritten. Wunderbar. Und dann: Der Kampf ist das Beste, was uns passieren kann, der Kampf mit den Schmerzen. Wir müssen sie fühlen, spüren, anschauen – genau wie das Glück. Das ist Leben. Die Tibeter haben eine schöne Übung: Sie spüren ihre Dämonen, die sie quälen, auf, setzen sie auf einen Altar und füttern sie bei Tag und Nacht, um mehr zu fühlen, mehr zu erfahren, mehr zu leben, Charlotte. Auch im Schmerz leben wir, gerade im Schmerz. Wir sind doch nur deshalb so verbittert und enttäuscht, weil wir versuchen, Tod, Schmerz, Furcht und Hunger einfach auszuklammern. Wir tun so, als wenn wir uns davor schützen könnten, indem wir einfach nicht daran denken wie das Kind, das die Augen schließt und meint, es würde nicht mehr gesehen. Gesundheit und Vollkommenheit: ja. Schmerz: nein. Das Einzige, was wir damit erreichen ist, dass wir uns in zwei Teile spalten und nicht leben. Paul   

Seele trägt das Wunderhorn

Verbirgt sich unter den Wurzeln ein Schatz? Solitär am Badewald bei Heimbach.

Auf den Hügeln der Eifel recken sich Einsiedler in den Himmel, oft sind es Linden, mächtig und groß. Und um manchen Stamm ranken sich Geschichten, die in Jahrhunderten weiter erzählt wurden. Manchmal steht ein sagenumwobener Schatz im Mittelpunkt, der in den Tiefen der Erde liegt, und nur mit einem Zauberspruch geborgen werden kann.   

Es war einmal eine arme Bäuerin, die lebte mit ihrem kleinen Sohn und einer mageren Kuh in einem kleinen Häuschen zwischen den Hügeln der Eifel. Ein Buchenwald schützte ihr Dach vor den wütenden Westwinden, ein Acker sicherte notdürftig das Überleben. Jeden Sommermorgen, wenn die Sonne über die Hügel stieg, verließ sie leise das Haus, um zur Feldarbeit zu gehen und stellte ihrem Kind einen Teller mit Milchreis und Wecken auf den Tisch.  Am Abend kehrte sie heim und freute sich, dass der Sohn ihr fröhlich entgegen sprang und dass der Teller leer gegessen war.

Eines morgens, als der Sturm besonders heftig an den Türläden polterte und ein kalter Regen das Land einschüchterte, entschloss sie sich, zuhause zu bleiben. Wie immer stand sie in aller Frühe auf, stellte einen Teller mit Brei auf den Tisch und ging in den Schuppen. Plötzlich hörte sie leises Klopfen. Neugierig öffnete sie die Tür einen Spalt breit, lugte hindurch und sah, dass ihr Söhnchen rief:

Komm doch, liebe Unke,
nasch vom dicken Brei

Kaum hatte der Junge sein Verslein beendet, raschelte es am Türrahmen und eine kleine,  warzige Unke, auffällig schwarz-gelb gemustert, hüpfte herein. Der Junge klatschte in die Händchen, hob das Tier zärtlich auf den Tisch und setzte sich gegenüber. Aus herzförmigen Augen sah die Unke den Kleinen an, und immer wenn er seinen Holzlöffel in den süßen Brei steckte, schleckte auch sie davon. Als die Beiden satt waren, bat der Junge: „Komm, sing mir Dein Lied.“ – Und die Unke stimmte leise klagend ihr melodisches „Mmmh-mmh-ha“ an – und noch einmal: „Mmmh-mmh-ha“ – „Wie schön Du singen kannst“, freute sich der Junge und versuchte, ihre Stimme nachzuahmen. „Mmmh-mmh-ha“

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Sagenhaft

„Von Liebe, Sehnsucht und Magie“ heißt das Programm, das wir am Freitag, 13. Juni, ab 17 Uhr, auf der Zülpicher Landesgartenschau zeigen. Durch neu erzählte Sagen huschen Feen und Königskinder, flüstern von Liebe und Tod, wecken Erinnerungen.  Aber sie erzählen auch von der verborgenen Seele der Eifel.

Die Geschichten sind so vielgestaltig wie die Landschaft, in der sie entstanden sind; sie berühren, weil sich Schicksale und Eigenheiten der Menschen dieser Region darin spiegeln. Auch Zülpich kommt zu Wort – mit seiner Chlodwig-Sage.

Die Musik unterstreicht die Worte mit mittelalterlichen Klängen, aber auch mit zeitgemäßen Rhythmen, die zum Aufbruch einladen, und den neuen Blick auf die uralten, aber manchmal verblüffend aktuellen Bilder schärfen.