Grußwort zum 1. Mai

Frühling, Sommer und dahinter
gleich der Herbst und bald der Winter –
ach, verehrteste Mamsell,
mit dem Leben geht es schnell.

Wilhelm Busch

Advertisements

Schnee verrät die Liebenden

Auch in früheren Zeiten gab es emanzipierte Frauen, wie die Legende von Emma, der Tochter Karls des Großen, verrät. 

Kelmis, um 773 n. Chr.: Rauhreif häkelte Spitzen um die Buchenzweige, ein glutroter Himmel kündigte den Winterabend an. Emma zog ihren Wollumhang fest um die Schultern und lugte durchs Fenster. Im Burghof und vor den Toren palaverten Getreue an den Feuern. Durch die Schießscharten fauchte ein Sturm, übertönt von den Befehlen des Vaters: Karl der Große liebte Kommandos und Schlachten. Jahr für Jahr trieb der Hüne im Zeichen des Kreuzes Kämpfer, Pferde, Ochsenkarren durchs Land – brutal, unerbittlich und ohne Rücksicht auf Gefahren. Nun kampierte er in der Eyneburg – mit seinen Gefolgsleuten, mit Frau und Töchtern, die ihn am Ende des Zuges begleitet hatten.

Emma war erschöpft. Die Feldzüge, die Überwinterungen in den Pfalzen, immer unterwegs, oft durchnässt, frierend, schwitzend – manchmal in Gefahr.

Sie war 18, eine Schönheit mit flachsblondem Haar und einem Geheimnis: Sie liebte Einhard, den Geheimschreiber Karls. Klein und zart war er, ein leiser Begleiter, der ihre Wünsche buchstabierte. Mit wärmendem Tuch schützte er sie vor der Zugluft, mit einem Vers erhellte  er ihr den Morgen und verstohlen folgte er ihren Schritten – mit wehmütigen Blicken.

Weiterlesen