Ein Moment ohne Ort.

Und wo ist das Leben, hier oder in der Erinnerung?

Disputnik

Jemand sagte ihr einst, ein Moment erhalte seine Form erst im Rückblick, im Erinnern. In der Gegenwart, also in ihm selbst, lasse sich der Moment gar nicht erfassen und greifen. Somit, denkt sie sich, müsste jedes Bild, das man von einem Moment hat, erst nach diesem Moment entstanden sein. Was bedeuten würde, dass es gar nicht sonderlich wichtig ist, was tatsächlich passiert. Entscheidend ist, wie man sich daran erinnert.

Sie geht zurück zu einem Ort, an welchem sie vor Jahren war, zurück in eine Welt, die längst unter dem Geröll der Zeit begraben liegt. Sie weiß, wie sie sich an den Ort erinnert, denn sie sieht ihn jeden Tag, immer wieder. Kein anderer Platz ist so deutlich ausgeformt, so klar und detailliert gezeichnet. Das Gedächtnis ist ein eifriger Maler, und die Pinselstriche gruben sich tief und tiefer in ihren Kopf, bis sie das Bild und den Ort beinahe spüren konnte.

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Häme und Schadenfreude

Skulptur von Marti Faber auf dem Gelände der Landesgartenschau in Zülpich.

Heute ist mir nach ein paar Zeilen. Als alte Journalistin ist es für mich unübersehbar, dass uns der Zeitgeist wegbügelt – einfach so. Und das Bemerkenswerteste: Ich sehe niemanden trauern. Was ich meine? Die Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, kurz IVW, hat gerade die neuesten Zahlen veröffentlicht. Danach rauscht die Auflage der Printmedien weiter ungebremst in den Keller. Spiegel, Stern, selbst Super-Illu büßen Auflage ein. Bei den Magazinen kann nur „Closer“ (ausgerechnet) ein kleines Plus verzeichnen.

Und auch die taz ist frustriert, denn in ihrem Internet-Portal sieht es nicht besser aus. Die Bezahlinhalte „flattr“ wurden wenig gefragt. Und wenn, dann zählte Häme mehr als gute Recherche. Im Klartext:  “Unsere Leser klicken auf den Flattr-Button, wenn es im Artikel gegen die Lieblingsfeinde geht. Und je deftiger wir austeilen, desto klicker. Das erkennt man in seiner reinsten Klarheit bei Platz 1, wo es unsere Leser offenbar sehr freut, dass es mal einer den Urheberrechts-Verantwortlichen bei der SPD so richtig zeigt. Aber auch Artikel gegen den deutschen Volksmob, gegen die AfD und natürlich gegen Uli Hoeneß kommen gut an. Auf taz.de ist Flattr kein Button, mit dem unsere Leser den besten Journalismus unterstützen, sondern es ist ein Button für Häme und Schadenfreude.”

Interessant, oder?

Magisch

Deckengemälde im Römischen Haus in Weimar

»Ich tue so, als ob ich magische Kräfte hätte und das Grün der Erde neu erfinden könnte, und bei dieser Arbeit werde ich zum Kanal für Energie. Ich will spielen. Immer spielen.  Was anderes ist Musik, Tanz, Poesie als ein Spiel mit den Möglichkeiten? Wir dürfen das nicht ausschließlich den sogenannten Profis überlassen, wir müssen selber spielen, so oft es geht.«

Aus dem Roman „Frau Kassel will Wunder“