Raus. Raus. Raus.

Heute können wir noch einmal saumselig unter Bäumen sitzen und die Zeit verplaudern. In diesem Fall bietet Maastricht die Kulisse, denn hier wird Geschmack groß geschrieben. Viele Häuser mühen sich, dem Image der Genießerstadt  Rechnung zu tragen: Fast 400 Kneipen und Restaurants kommen auf 125.000 Einwohner. Und auch die 16 Millionen Touristen im Jahr wollen verwöhnt sein. Auf jeden Fall gibt es für jeden Geschmack etwas und sei es das Ambiente eines malerischen Plätzchens, auf dem die Terrassen unter freiem Himmel zur Muße einladen – als gäbe es keine Sorgen auf der Welt.

Sag mal „Cheese“

Fotografiert werden ist für mich so lästig wie Straße kehren. Ich hasse dieses Grinsen in fremde Objektive und habe Fluchtgedanken, wenn mir jemand „Cheese“ zulächelt oder gar fordert, ich solle doch jetzt mal ganz natürlich gucken. Was ist natürlich? Genau. Ich weiß es nicht. Nur in unbeobachteten Momenten entspannt sich der Geist. Und dann spielt auch der Körper mit. So geht fotografieren. Auf der Straße sowieso. Da ist jeder Platz eine Bühne. Aber das wissen nur die Puppen.

Dem Himmel so nah

Ein Ort mit Magie: In der ältesten Dominikanerkirche der Niederlande residiert heute eine Buchhandlung. Wer sein Buch sucht, kann gleichzeitig die Kraft der Kirche spüren und dem Himmel und den Kirchenfenstern in den oberen Etagen um acht Meter näher kommen. Erst von dort wird die Größe des Gebäudes spürbar, die Schönheit der Fenster, die detailverliebte Arbeit am Stein. Und erst von oben ist zu sehen, dass die Besucher der Kaffeebar in Binnenchor und Apsis gemeinsam an einem Tisch sitzen, der in Kreuzform gestaltet ist. „Was feiern wir in einer Messe? Den Moment, in dem wir zusammen kommen. Das wollen wir hier ausdrücken, mit allem Respekt“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens in Maastricht.
Respekt verdient auch, was bei den aufwendigen Restaurationsarbeiten zutage getreten ist: Ein Bildnis von Thomas von Aquin  – wie eine Botschaft aus einer anderen Welt. 1350 entstanden, zeigt das Bild Perspektive. Es war also seiner Zeit voraus.
Das passt zum Geist vieler Bücher, die auch Horizonte öffnen und Grenzen sprengen wollen.

Aus dem Bildband: Maastricht. Bilder, Spuren, Hintergründe.  

Lachen und träumen

Verloren ist nur, wer nicht mehr feiern, lachen, träumen und genießen kann. Das zeigten mir die Recherchen für den Bildband über Maastricht. Dieser Ort im südlichsten Zipfel von Limburg ist so oft belagert, erobert, bekämpft, zerstört, aufgebaut und neu erfunden worden, dass seine  Bewohner heute sehr bewusst den „Mestreechter Geis“ kultivieren, eine fröhliche, mediterrane Lebensart, die sich offensiv auf Café- und Restaurant-Terrassen zeigt, aber auch in der kühnen Kombination von Alt und Neu, sei es in der Architektur oder – wie das Foto beweist – der Straßenkunst.