Sonne über der Lasagne

Manchmal gehen wir mit Pia essen. Sie ist 82 und liebt Lasagne vom Italiener, zart gegart muss sie sein, auf keinen Fall kross überbacken. Das kann sie nicht kauen. Dann plaudern wir über Gott und die Welt, wobei ihr ersterer besonders gefällt. Sie ist fromm auf tiefgründige Weise und doch skeptisch gegenüber den Ränken der Kirche und ihrer Fürsten.
Beim letzten Essen wurde sie unruhig, kaum war der Nachtisch verzehrt. „Kommt, wir müssen noch auf den Hügel“, sagte sie. „Die Sonne geht unter.“ Eher unwirsch zahlten wir und folgten ihr  zum Burggemäuer. Wie beflügelt schritt sie voran – mit weiten Röcken und den derben schwarzen Schuhen, ohne die ich sie nie gesehen habe.
Heftig atmend erreichten wir das Plateau des Burgturms und waren sprachlos. Als wolle sich der Himmel öffnen, sahen wir dieses Bild. Glänzende Weite und eine Sonne, die sich in die Erde senkte.
Pia lächelte still. Sie muss es vorausgesehen haben, dieses Wunder – in genau dieser Sekunde.

 

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Im Schrott

Manchmal erzählt der Schrott Geschichten und untermauert die These, dass alles voller Wunder ist – selbst ein klappriges Fahrrad. Doch das Geheimnis bleibt: Wann strahlt das Ding Faszination aus, wann wirkt es wie Müll? Kann jemand die nötige Anordnung beschreiben – für eine Kunstinstallation? Das Dahinter wirkt – oder nicht. Da helfen keine Worte.

Wiesen voller Wunder 

„Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben;
entweder so, als wäre alles ein Wunder,
oder so, als wäre nichts ein Wunder.“

Dieses Zitat von Albert Einstein berührt mich. Ich will in den nächsten Ferienwochen nicht bloggen, sondern danach leben und die Welt ringsum als Wunder betrachten, vielleicht Dinge entdecken, die ich normalerweise übersehe und anderes übersehen, was ich sonst zu stark bewerte.
Die Bienenragwurz auf dem Foto soll mich daran erinnern, dass es am Wegesrand Wunder gibt: Die kleine Orchidee blüht zur Zeit, und wer ein Magerrasengebiet kennt, kann sie dort vielleicht entdecken.
Allerdings: Die Bienenragwurz wächst unscheinbar inmitten anderer Gräser und Pflanzen. Und nur wer ganz genau hinschaut oder die Blume vergrößernd an sich bindet, entdeckt ihre volle Schönheit.
Das Wunder.