Sonnenstrahlen tunken den Sandstein in goldenes Licht. Schmucklos sind die müden Mauern, die Jahrhunderte überdauert haben, trutzig und wehrhaft.
Zwei goldene Türklopfer. Zwei Messinghände. Unwiderstehlich. Vorsichtig bewegen wir das Metall, hören lachend das Klopfen. Ich mache ein Foto und fühle mich sofort ertappt. Der Eingang öffnet sich. Ein Mann kommt heraus und mustert uns. Hat er das Klopfen gehört? Er schaut uns fragend an. Nein, wir haben kein Anliegen. Nichts als Neugier, ein wenig Übermut, hat uns verführt.
Er schaut uns an, zögert einen Moment und winkt dann, ihm zu folgen. Wir gehen ein paar Schritte, und die Stadt mit ihren dröhnenden Lastwagen, den schwatzenden Passanten und schreienden Kindern wird verschluckt. Wir stehen im Innenhof eines Palastes, groß wie ein Tennisplatz, umstanden von Skulpturen und Gemälden. Ein schmiedeeiserner Brunnen, eine bemalte Fassade laden zum Staunen ein, ein Sessel bietet Rast: Der Weg führt ins verborgene Land des mallorquinischen Reichtums.
„Alles geerbt“, sagt der Mann lächelnd. Stolz liegt auf seinem Gesicht. Er lädt ein, zu schauen, zu genießen. Die Stille und Schönheit im Spiegel vergangener Jahre. „Ein Paradies“, stottere ich. Er lacht. Wir schauen hoch zu den riesigen Gebäuden. „Wie viele Menschen wohnen hier?“ – „Zwei lächelt er.“ Nur zwei.
Er lässt uns Einblick nehmen in eine Kultur, von der wir wenig verstehen. „Sie haben uns ein Geschenk gemacht“, sagen wir zum Abschied voller Dank, und ich spüre: Wer in ein fremdes Haus eingeladen wird, ist kurze Zeit in einem anderen Leben.

Der Innenhof eines Wohnhauses in Manacor.

Ein Blickfang.
