Sing, Roxanne, sing

In ihrem Roman „Bel Canto“ wagt die amerikanische Autorin Ann Patchett ein Gedankenexperiment: Kann Musik Menschen miteinander versöhnen, selbst wenn sie sich brutal bedrohen? Angelehnt an eine monatelange Geiselnahme 1996 in der japanischen Botschaft von Peru beschreibt die Autorin das Leben der Gefangenen und der Terroristen im Palast des Vizepräsidenten eines nicht genannten Landes.

Im Mittelpunkt steht Roxane Coss, eine weltberühmte Sängerin, die auch in Geiselhaft nicht auf ihre Gesangsproben verzichten will, und ihre Umwelt verzaubert. Je mehr sie von ihrer Kunst zeigt, desto intensiver ändern sich die Umstände: Geiseln und Terroristen entdecken einander als Menschen. Nach Wochen werden zwar immer noch Gewehre geschultert, doch längst geht es um anderes. Fast unbewusst lernt jeder vom Leben – mit allen Hintergründen und Eigenarten. Die Geiselhölle wandelt sich beinahe in ein Paradies…

Zu Beginn ihrer „Auftritte“ in Geiselhaft singt Roxanne die Arie „An den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Dvorak. Mit den Worten von Ann Patchett klingt das so:

„Und so wusste Herr Hosokawa, dass ihr nichts passieren würde, denn niemand konnte sie erschießen, während sie sang. Keinem von ihnen würde dann etwas passieren…
Das erste, was sie an jenem Morgen sang, war die Arie aus Rusalka, die sich Herr Hosokawa, wie sie sich erinnerte, zu seinem Geburtstag gewünscht hatte, bevor sie gewusst hatte, wer das war, bevor sie irgend etwas gewusst hatte. Wie liebte sie diese Geschichte von der Seejungfrau, die sich sehnt, eine Frau zu sein, um ihren Liebsten mit wirklichen Armen statt nur mit kaltem Wasser umfangen zu können.“

Und das ist die Arie in all ihrer Schönheit, gesungen von Michaela Kaune.

Foto: Pexels

3 Gedanken zu “Sing, Roxanne, sing

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