Sterne im Advent

Nun leuchten sie alle vier, unsere Sterne im Advent. Woche für Woche haben wir ein Bild mehr der Künstlerin Caroline Lauscher in Licht getunkt. Jetzt dürfen sie alle die Weihnachtsnächte erhellen.

Dazu gesellt sich ein Gedicht von Christian Morgenstern, der die langen Dämmerstunden so wundersam beschreibt:

Abenddämmerung

Eine runzelige Alte,
schleicht die Abenddämmerung,
gebückten Ganges
durchs Gefild
und sammelt und sammelt
das letzte Licht in ihre Schürze.

Vom Wiesenrain,
von den Hüttendächern,
von den Stämmen des Waldes,
nimmt sie es fort.

Und dann
humpelt sie mühsam
den Berg hinauf
und sammelt und sammelt
die letzte Sonne
in ihre Schürze.

Droben umschlingt ihr
mit Halsen und Küssen
ihr Töchterchen Nacht
den Nacken
und greift begierig
ins ängstlich verschlossene
Schurztuch.

Als es sein Händchen
wieder herauszieht,
ist es schneeweiß,
als wär‘ es mit Mehl
rings überpudert.

Und die Kleine,
längst gewitzt,
tupft mit dem
niedlichen Zeigefinger
den ganzen Himmel voll
und jauchzt laut auf
in kindlicher Freude.

Ganz unten aber
macht sie einen großen,
runden Tupfen –
das ist der Mond.

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