Den Göttinnen so nah

Es gibt Hügel, die haben Magie. Das glaubten jedenfalls die Kelten. Sie prüften den Wind und den Flug der Vögel, sie suchten Quellwässer und hofften, dort den Göttern näher zu kommen. In Nettersheim und Pesch (Eifel) müssen sie ihnen sehr nah gewesen sein. Der Wind fegt über die Hügel, die Vögel rotten sich kreischend zusammen, eine Quelle plätschert im Wiesengrund, und die Sonne schickt ab und zu ein paar Strahlen über drei zierliche Damen aus Sandstein. Ihre Köpfe sind mit Blüten und Zweigen geschmückt. Irgend jemand hat ihnen Reis und Äpfel in die Hände gedrückt. Stille Zeichen der Verehrung. Schließlich gelten die steinernen Frauen als Hüterinnen sagenumwobener Orte, denen unsichtbare Kräfte innewohnen.

Das zieht viele an – von nah und fern. Vor allem zur Sonnenwende verbringt manch einer die ganze Nacht vor den Steinen. Es sind Frauengruppen, die nach Resten matriarchaler Kulturen suchen, Anhänger von Naturreligionen und Archäologen, die nüchterne Erläuterungen geben: Die Matronensteine wurden von römischen Legionären während des 1. bis. 4. nachchristlichen Jahrhunderts errichtet, die damit erstmals den keltischen Göttinnen ein Gesicht gaben, und sich von ihnen Schutz und Wohlergehen erhofften. Rund 800 Sandstein-Reliefs wurden allein in der Eifel entdeckt, die berühmtesten stehen in Nettersheim und Pesch.

„Oft wussten die Bürger schon lange vor den Wissenschaftlern, dass es in ihrer Umgebung eine Besonderheit gab“, sagte Archäologin Petra Tutlies. Und die Menschen munkelten über die Plätze, die viele mieden. Da wundert es nicht: Noch heute steht „Heidentempel“ auf einem Wegweiser im Wald von Pesch, wo das Geheimnis um die Steine besonders intensiv erlebbar ist.

Den drei Matronen habe ich die Geschichte „Göttinnengeflüster“ gewidmet, denn vielleicht haben sie uns gerade heute viel zu erzählen – nicht nur zur Sonnenwende.

 

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