Die Kuh auf einem Bein

Die Lust zu lesen und mich vom Gelesenen fesseln zu lassen, führt manchmal zum Bücherregal: Was gibt es, das ich noch nicht kenne oder völlig vergessen habe? Dabei fiel mir das „Taschenabenteuer“ von Luigi Malerba (1927-2008) in die Hände. Und sofort war ich in einer anderen Welt.

Ich begegnete einer Kuh, die nicht mehr den Karren ziehen wollte. Vom Hörensagen wusste sie, dass Flamingos nur zwei Beine haben und ab und zu eins unter den Flügel stecken, und sie dachte, das versuche ich auch: Also hielt sie ein Vorderbein hoch – gelang trefflich -, dann auch noch ein Hinterbein – kein Problem. Schließlich versuchte sie,  auf einem Bein zu stehen, was kläglich misslang. Fazit: Ihr Besitzer führte sie wieder zum Karren.

Wer sich diese Kuh balancierend vorstellt, hat sicher einen fröhlichen Tag. Wem das nicht reicht, kann auch noch über Ottorino lesen, der zwischen alle Dinge ein Schimpfwort setzt, oder Artemio kennen lernen, der sowohl an Eiscreme wie an der Liebe verzweifelt. Auch schön: Karotten beneiden Zwiebeln, und eine Katze fragt frech: „Darf man erfahren, wer ich bin.“ Besonders ans Herz gewachsen ist mir Marione, der meint, unbedingt die Welt retten zu müssen. Er käme mir heute gerade Recht.

Alles kleine Köstlichkeiten, die in einem Rutsch verspeist werden können. Was mir allerdings bei Malerba fehlt, ist die Pointe, der richtig gute Schluss. „Überraschung. Zack.“ Und deshalb lese ich jetzt Roald Dahls „Kuschelmuschel“, auch in die Jahre gekommen, aber immer wieder erotisch schön.

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