Auge in Auge mit Achim

Nein, geklopft hat er nicht an mein Fenster. Aber er klemmte sich an den Holzrahmen und lugte neugierig in mein Zimmer, genau dorthin, wo ich am Computer saß. Fest hatte er mich im Blick, minutenlang, auf jeden Fall so lange, bis ich meine Kamera zücken und ihn fotografieren konnte.

Da er schon so nett da saß und mir zugezwinkert hat, heißt er für mich Achim, und ich nehme an, dass ich noch mehr über ihn verraten soll. Wissenschaftler nennen ihn Picidae nach dem italienischen Prinzen Picus. Ovid erzählt, dass Picus so schön war, dass sich die Zauberin Circe auf der Stelle in ihn verliebte. Doch Picus Herz gehörte der Nymphe Canens, und er wies die Zauberin ab. Sie rächte sich und verwandelte ihn in einen wütenden Vogel, der fortan auf das Holz der Bäume einschlug.

Aber er kann noch mehr. Gerne würde ich wissen, wie es möglich wäre, mit Specht Achims Hilfe, die sagenumwobene Springwurzel zu finden. Die ist interessant, weil sich mit ihr jede Tür und jedes Schloss öffnen lässt. Und den Auguren galt er als Orakeltier, das den Ausgang eines Kriegs vorhersagen konnte und auch wusste, wann es wegen schlechten Wetters besser war, eine Schlacht ausfallen zu lassen.

Schließlich – auch das möchte ich nicht verheimlichen – kann der Specht ganze Berge von Gold hüten und jede Schatztruhe öffnen. Siehe Springwurzel oben.

Ich wünschte, Specht Achim käme öfter zu mir ans Fenster. Vielleicht könnte er mir noch mehr erzählen von dem, was gülden glänzt und was mir bevorsteht.

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