Mensch, geh nur in dich selbst…

Heute war Flohmarkt im Dorf. Eine Freude zu sehen, wie viele Leute, ein Rucksäckchen auf dem Rücken und den Bollerwagen voller Kindergeschrei hinterher, durch die Straßen flanierten. Überall Trödel und Krimskrams. Sinnvolles und völlig Unsinniges. Kurioses und Kaputtes. Ein Fest der Käuferlust.

Auch wir hatten einiges zusammengesammelt und in Stall und Scheune nach Verkaufbarem gesucht. Der Erlös des Trödels war mäßig, doch in einem alten Schränkchen entdeckten wir, mauszerfressen und vergilbt, einen Schatz: Das Reklamheftchen  mit Versen „Aus dem Cherubinischen Wandersmann“  von Angelus Silesius (1624-1677). Jahrhundertealte Lebensweisheit. Lest selbst:

Wenn du die Dinge nimmst ohn‘ alles Unterscheid,
So bleibst du still und gleich in Lieb‘ und auch in Leid.

Wer nichts begehrt, nichts hat, nichts weiß, nichts liebt, nichts will,
Der hat, der weiß, begehrt und liebt noch immer viel.

Freund, wer in jener Welt will lauter Rosen brechen,
Den müssen vor allhier die Dornen g’nügsam stechen.

Mensch, geh nur in dich selbst. Denn nach dem Stein der Weisen
darf man nicht allererst in fremde Länder reisen.

Der Reiche dieser Welt, was hat er für Gewinn,
dass er muss mit Verlust von seinem Reichtum zieh’n.

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