Habt ihr auf Mallorca Wäscheständer gesehen? Der englische Dichter Robert Graves (1895 bis 1985) behauptet in seiner Kurzgeschichte „Einen Toast auf Ave Gardner“, es gäbe keine. Der Grund: Die Sonne scheint auf der Insel so ausdauernd, dass alles in Sekundenschnelle trocknet und niemand irgendetwas aufhängen muss.
Nun habe ich einen sehr feuchten März erlebt, in dem die Sonne höchstens ab und zu zwischen den Wolken hervorlugte. So ganz kann das also nicht stimmen, aber Robert Graves bleibt dabei und versichert, er sei in Palma vergeblich in Möbelgeschäften herumgelaufen, um ein Modell zu finden.
Immerhin wurde ihm schließlich ein Teil aus edelstem Mahagoni angeboten. Es gab zwar einigen Hickhack zwischen den verfeindeten Firmenbesitzern, doch die Geschichte endete mit der Produktion von Wäscheständern.
Damit nicht genug: Hinzu kam die Erfindung von Ave-Gardner-Trockenständern. Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Diva hatte auch ihre Zeit auf Mallorca und war bei Robert Graves zu Besuch.
Überaus praktisch war, dass dies nach ihr benannte Modell auch anderweitig genutzt werden konnte: Per Flaschenzug ließen sich Schinken, Wurst, Zwiebel- und Paprikaketten mühelos an die Küchendecke ziehen, wenn die Sonne jedes Trocknen von Wäsche überflüssig machte.
Vorausgesetzt, wir glauben das Robert Graves. Auf jeden Fall war er offensichtlich ein launiger Erzähler, der seine Mitmenschen zu erheitern wusste.
Ich selbst erinnere mich etwas leidvoll an eine Begegnung mit ihm – vielmehr mit seinem Grab. Es liegt auf einem Hügel hoch über Deiá und ein Freund war entschlossen, es mir zu zeigen. Er ignorierte mein Flehen, ging achtlos an jeder Cafeteria vorbei und lief bergan voran, bei brütender Mittagshitze. Ich gebe zu, der Anblick des Grabs war unter diesen Bedingungen keine kulturelle Bereicherung.
Und an diesem Tag wurde ganz sicher nirgendwo auf Malorca ein Wäscheständer gebraucht.
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P.S. Wenn ihr sehen wollt, wie wir heute unsere Wäsche trocknen. Bitte schön. Das Bild oben sagt alles.