In seinem Buch „Mallorca, ein Jahr“ zitiert Heinrich Breloer eine skurrile Geschichte von Tomeu, einem mallorquinischen Bekannten:
„Meine Tauben sind meine Lieblinge. Einige kommen aus Ihrer Heimat, aus Dortmund.“ … „Eine habe ich hier“, er deutete auf die Innentasche seines Jackets, „unter meiner Jacke im Flugzeug von Düsseldorf nach Mallorca geschmuggelt. Den Schnabel hatte ich ihr zugebunden. Aber sie hat mir in die Jacke gekackt.“
Ich will mal zu Tomeus Gunsten annehmen, dass er Linie geflogen ist und nicht die Holzklasse von Ryanair nutzen musste. Dort sitzt der Passagier ja so eng, dass der Ellenbogen des Nachbarn mit einigen Verrenkungen überwunden werden muss, sobald er sich anschickt, am Ohr zu kratzen.
Wenn ich mir im Übrigen die Tauben so anschaue, sind sie doch recht mollig und könnten ein Jackett eindrucksvoll ausbeulen. Aber glauben wir mal Tomeu. Denn er muss Ende des 20. Jahrhunderts gereist sein (so alt ist Breloers Buch), und damals waren Tauben vielleicht noch eine Rarität auf Mallorca.
Heute ist das anders – so muss ich in Axel Thorers Mallorca-Newsletter lesen: Die Inselregierung hat die gurrenden Schönheiten kurzerhand zur Plage erklärt und die Jagdsaison erweitert.
Schade. Ich sehe ihnen gerne zu, wenn sie mit den hochmütigen Möwen über den Strand stolzieren, unentwegt pickend und Bröckchen suchend, oder ausdauernd in den Bäumen gurren. Genau wie daheim in Vlatten.