In seinem wunderbaren Buch „Hotel Laguna – Meine Familie am Strand“ schreibt Alexander Gorkow:
„Wie passt das zusammen, Bernd?… Wieso immer dieses Elend über Mallorca in den deutschen Zeitungen und dann diese schöne Insel?“ – „Das passt nicht zusammen“, sagte er und lächelte das milde, weise Lächeln der fast schon Eingeborenen. „Aber da kannst Du nichts machen. Es gibt in Deutschland diese Mono-Brille auf Mallorca. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Es ist aber das Problem meiner alten Heimat Den Mallorquinern ist das, wie so vieles, egal.“
Tatsächlich kam auch ich in diesem Jahr mit gemischten Gefühlen auf die Insel. In deutschen Zeitungen las ich von Hitzerekorden, Wüstenstaub und Demonstrationen gegen den Massentourismus. In „Goodbye Deutschland“ musste ich mitleiden, wenn abenteuerlustige Paare meinten, mit 1000 Euro in der Tasche und ein paar wabbeligen Würstchen am Grill, eine ganze Strandgesellschaft begeistern zu können, und nie vergessen werde ich die Anfänge als Reisejournalistin: Da wurde Mallorca naserümpfend Putzfrauen-Insel genannt. Gönnerhaft lobten die Kollegen höchstens noch das Inland mit seinen Bergen und den spektakulären Ausgucken aufs Meer
Wie schön ist es, jetzt wieder in der Realität angekommen zu sein. Zugegeben, wir müssen schon um 7.45 Uhr am Strand sein, um es erleben zu können, aber dann ist die Aussicht unbezahlbar: Laut schwatzende Damen haben sich im Kreis im Meer versammelt, alle ein Sonnenhütchen über dem grauen Haar. Sie schwatzen, was das Zeug hält. Sparsam platschen sie dann und wann mit den Händen ins Wasser, nicht zu heftig, denn die Morgenlage muss diskutiert werden. Was sie sagen, ist unverständlich, denn immer plaudern sie im schönsten Mallorquin, was das Lokalkolorit und ihre Liebenswürdigkeit drastisch erhöht. Der Gipfel des Glücks sind zwei Männer, 80 oder älter, die sich über ihre farbenfrohen Badenudeln gehängt haben und unendlich viel erzählen, sorgsam getrennt von den schwatzenden Frauen.
Wir drehen derweil unsere Strandrunden, begrüßen die, die immer da und wesentlich sportlicher sind, und als wir schon am Ziel und entsprechend erschöpft im Sand sitzen, kommt uns ein Mann mit zwei Hunden entgegen, die hingebungsvoll an seinen Leinen zerren. Er lacht: und stellt sie vor: einer ist ein Jahr, der andere fünf. Wo wir denn her seien? – „Alemania.“ Ein breites Lächeln huscht über sein Gesicht: „Herzlich willkommen“, sagt er. Und ich fühle mich zuhause.
PS. In deutschen Zeitungen lese ich gerade: „In Spanien war es noch nie so heiß“. Mallorcas Blätter titeln: „Der Sommer zeigt noch einmal, was er kann“.