Blick in die Seele

Ganz gleich, ob Edward Hopper Menschen malt oder Tanksäulen: Der Betrachter stutzt und fragt nach der Geschichte dahinter. Ihn überfällt ein tiefes Gefühl von Einsamkeit und innerer Leere. Es gibt wohl niemanden, den das nicht berührt.

Was kann Hopper, das andere nicht können? Was ist es, das diese Gemälde so einzigartig macht? Die Intensität der Farbe, die Isolation der Protagonisten, die Auswahl der Details? Es bleibt sein Geheimnis, seine völlig unverkennbare Handschrift. Ein Rätsel.

Nur ein bis zwei Bilder hat er im Jahr gemalt. Auch das ist ein Rätsel: War es an jedem der 365 Tage ein Pinselstrich? Arbeitete er an einem Tag der Woche oder nahm er lange Urlaub?

Edward Hopper gilt als der einflussreichste Künstler des 20. Jahrhunderts. Für mich hat er die Seele sichtbar gemacht. Genial.

Übrigens: Das Foto habe ich mit dem Handy vom Fernsehen aufgenommen. Die Konturen verschwimmen und schenken noch mehr von dem, was süchtig macht: Geheimnis.

2 Gedanken zu “Blick in die Seele

  1. hallo alraune, ich habe einen komplett anderen blick auf hopper und seine bilder wie mir scheint, ich schreibe es mal auf:

    also ich frage nicht nach der geschichte dahinter, d.h. ich muss sie nicht suchen, manchmal entsteht sie einfach, wie bilder hinter dem bild, manchmal nicht. ich stutze nicht, ich schaue mir einfach seine bilder an, mich überfällt keine einsamkeit und/oder ein gefühl der leere. im gegenteil: ich sehe es an und bin sehr angetan davon. von der ästhetik, von der ausführung.
    was er kann, was andere nicht können – für mich ist das kein rätsel. es ist das licht, dem er sich verpflichtet hat. das zu zeigen, kann er wie kaum ein anderer. auch die auswahl seiner motive und farben ist sehr speziell wie auch die figuren in seinen bildern, die meist wirken, als meditierten sie, da wo sie gerade sind.
    dass er nur 1-2 bilder im jahr malt ist für mich ebenso kein rätsel. es dauert seine zeit, bis ein bild so ist, wie man es sich vorstellt oder haben will oder wie man in der lage ist es zu malen. nur 1-2 bilder im jahr, das heißt höchste konzentration auf das motiv, auf das bild, auf die technik, auf das licht. wahrnehmen und zeigen des besonderen.
    du denkst, dass ein bild einfach an einem tag entsteht? weit gefehlt. leonardo da vinci hat beispielsweise 12 jahre (!) an der mona lisa gemalt. was dazwischen ist? dazwischen werden andere zeichnungen angefertigt, andere bilder vielleicht auch oder auch nicht, die technik wird verfeinert, verbessert. der blick geschulter. die ruhe in sich vertieft. die konzentration und fokussierung verbessert. andere materialien und techniken werden gelernt und oder ausgeführt.

    was genau deiner seele siehst du in seinen bildern?

    1. Vielen Dank für Deine Zeilen, liebe Wolkenbeobachterin. Wie interessant, dass Du eine völlig andere Sicht der Dinge hast. Ich male nicht, deshalb ist mir dieses Handwerk völlig fremd, aber ich schreibe Geschichten und Reportagen und deshalb bin ich es gewohnt, zu beobachten.
      Es gibt wenige Bilder, die mich so anziehen wie Hoppers Arbeiten. Und das liegt daran, dass sie bei mir eben immer ein Gefühl produzieren. Sofort. Dann will ich mehr wissen und versuche zu ergründen, was dahinter liegt. Die Geschichte eben.
      Es ist nicht so, dass ich mich einsam oder isoliert fühle. Aber ich habe die Empfindung, dass Hoppers Bilder mir zeigen, was Einsamkeit und Isolation bedeuten. Er weckt in mir Empathie für Menschen und ihre manchmal seelenlose Umgebung. Wenn ich diese Regungen in Sprache umsetzen könnte, wäre ich meinem Ziel näher. Deshalb frage ich nach dem Handwerk und der Entstehung des Werks. Es muss viel Meditatives in dieser Arbeit liegen, sehr viel Ruhe und Wissen. Vielleicht ist es das, was sie so einzigartig macht.
      Die Tatsache, dass Hopper nur ein oder zwei Bilder im Jahr gemalt hat, erstaunt mich wirklich. Ich kenne einige Maler, auch einige, die mit Weltberühmtheiten wie Penck oder Lüpertz zusammen gearbeitet haben. Sie fetzten die Farbe in manchmal nur einer Nacht auf die Leinwand. Und alles war gesagt. Zumindest war der Kunstbetrieb oft dieser Meinung.

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