Frank Wollny, der ganz besondere Freund, hat die Heimbacher Kunstszene geprägt: In den 90er Jahren machte er „Haus Schönblick“ zu einem Treffpunkt der Malerfürsten. Ich freue mich, dass er sich nach Jahren des Rückzugs mit der Ausstellung „Begegnung der Welten“ zurückmeldet. Gerne erinnere ich deshalb an die Zeit, als er die Avantgarde in die Eifel brachte.
In der Abendsonne blinkt der Chrom von Edelkarossen. Die Kennzeichen verraten weite Anreisen: Hamburg, Berlin, Kopenhagen, Amsterdam, Brüssel. Wer bietet mehr? Fahrgäste in lässigem Tuch bummeln zum Eingang – es gibt Schlückchen und Häppchen vom Buffet, das sich meterlang durch den Saal zieht. Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat. Irgendwo werden Crepes gebacken. Dann spricht der Hausherr: Frank Wollny eröffnet die Vernissage und zelebriert die Meister der Avantgarde: A.R. Penck, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und Georg Baselitz haben ihre Farben hinterlassen, und die stehen zum Verkauf. Ihr Neoexpressionismus ist in die „Jungen Wilden“ gemündet. In der Kunstszene gelten sie als Weltmeister, erzielen hohe Verkaufspreise. Und sie haben in Heimbach ihre Heimat. Die meisten Heimbacher ahnen davon nichts.
Wenn Frank Wollny an diese Zeiten in den 90er Jahren zurückdenkt, wird er nachdenklich. „Ja, damals war alles möglich“, sagt er. „Wir haben viel verdient, aber auch Unmengen in Haus Schönblick investiert. Wenn ich nur an die Heizung denke und an die Durchlauferhitzer.“
Heimbach war für Wollny der Endpunkt einer Odyssee, die ihn von seiner Harzer Heimat über Griechenland nach London und New York führte. Gemeinsam mit A.R. Penck war er aufgebrochen, hatte mit Frau und Tochter in den Metropolen den Kick gesucht, um doch nach Deutschland zurückzukehren. „Wir wollten in der Nähe von Köln leben“, sagt er. „Die Landschaft erinnerte mich an den Harz. 1989 wurde mir Haus Schönblick angeboten.“
Das ehemalige Hotel, das nach dem Krieg ein Kloster wurde, war genau das, was er gesucht hatte. Idyllisch gelegen und so groß, dass auch seine Rennpferde Platz fanden: Hier verwirklichte er einen Traum: „Ich wollte Künstler beherbergen. Sie konnten bei mir arbeiten und in einem multikulturellen Zentrum leben.“
Zwei Jahre lang wird renoviert – mit Familie und Freunden. Das Herzstück ist die ehemalige Kapelle, die Performance- und Ausstellungsraum ist. Hier finden Veranstaltungen statt, und hier spielt „TTT“, Wollnys Band, die ihn mit seinen Malerkollegen Lüpertz, Penck, Immendorff und anderen verbindet. Bewusst suchen sie in der Musik die Einheit, die ihnen beim Malen verwehrt wird, verweigern jedes Solo, vibrieren in Rhythmus und Groove, verschmähen gefällige Ufer und zeigen das Leben, wie es manchmal ist: hart, kompromisslos, schrill und unharmonisch.
Eine produktive Zeit. Wollny macht Reisen nach China, Brasilien, Tibet, erlangt eine Gastprofessur. Er lässt Musik von drei Hügeln über Heimbach erklingen und Papierschiffchen auf dem Stausee schwimmen.
Nach zehn Jahren ist der Traum vorbei. Streitigkeiten führen zum Bruch. Wollny verlässt Haus Schönblick und zieht nach Vlatten. Mithilfe seiner prominenten Malerfreunde organisiert er Wandbebilderungen für große Hotels der Welt. Und noch einmal macht er im Firmenicher „Zikkurat“ von sich reden – mit Kursen, Ausstellungen und Performances. Dann wird es still um ihn. Eine schwere Krankheit zwingt zum Rückzug – vier Jahre lang das Leben am Grenzzaun.
Nun ist er zurück. Vorsichtig – mit der Ausstellung in der Galerie Roy. Manche seiner Bilder schwelgen in Farblust, andere sind voller Verzweiflung. „Ich verbinde mich wieder mit meinen künstlerischen Werten“, sagt er. Und die sind in jedem Bild zu sehen: Ein impulsiver und expressiver Stil, die Lust am Experimentieren, der Aufschrei gegen die Norm, die Verachtung aller Konventionen und der Wille, Gefühl und Leidenschaft auf die Leinwand zu bringen.
Let’s go, Franki, das Leben hat viele Farben.
Die Ausstellung „Begegnung der Welten – Frank Wollny und Ante Milas“ in der Galerie Roy ist noch bis zum 2. August zu sehen.
Galerie Roy, Nideggener Straße 25, 53909 Zülpch, Telefon: 02252-8350270.
Öffnungszeiten: Mi-Fr. 14-19 Uhr, Sa. 11-15 Uhr oder nach Vereinbarung.

Franki in der Galerie Roy.

Überlebensbild.
Text und Fotos: Ulrike Schwieren-Höger