Gerade ist mir ein Buch von Jürgen Dahl in die Hände gefallen. Auf dem Titel beugt sich der grauhaarige Gärtnerphilosoph auf seinen Spaten gestützt über die Erde, um tief zu schauen auf das Kleine, das so schnell übersehen wird.
Ich schlage die Seite mit dem Pflücksalat auf, denn in meinem Hochbeet habe ich ihn gepflanzt. In diesen Tagen schießt er in die Höhe, verlockt mit seinen rostroten Blättern zum Ernten und macht glücklich – mit Frische. „Wenn wir die ganz jungen Blätter unberührt lassen, immer nur die älteren abnehmen, werden die Pflanzen Wochen und Wochen weiterwachsen und uns selbst dann noch versorgen, wenn sie schon zu blühen beginnen“, lässt uns Dahl wissen.
So einfach ist das. Der Salat versorgt uns einen Sommer lang mit Fülle, die ihresgleichen sucht. Fast täglich scheinen die Blätter wieder ein Stückchen gewachsen zu sein und sich nach meiner Hand zu recken. „Na komm, nasch von mir. Wofür stehe ich hier sonst rum?“
Ein paar Zeilen weiter hat Jürgen Dahl einen wunderlichen Vorschlag aufgegriffen, den ich im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal verdauen muss: „Der Menschenkoth findet bei nicht wenig Thieren Anklang und wird in Bälde von ihnen verzehrt. Einige unserer schönsten Schmetterlinge, die Blauschiller und Eisvögel und mehrere Bläulingsarten, setzen sich mit Vorliebe auf frische Haufen“, zitiert Jürgen Dahl den Autor Gustav Jäger, der 1874 „Deutschlands Thierwelt“ schrieb.
Sollten wir – um das ökologische Gleichgewicht ganz tierisch ernst zu nehmen – jeden Morgen in unserem Garten….
Und wie findet das der Pflücksalat?


