Im Topf die feurig-rote Suppe

Illustration: Heinz Edelmann. Aus Manuel Gassers "Köchel-Verzeichnis".

Wie es so ist: Da fiel mir plötzlich ein schmales Bändchen ins Auge, das schon lange im Regal, ich muss es zugeben, verstaubt. Schon das Titelbild, ein Topf mit dampfend-roter  Suppe auf einer Schreibmaschine, weckte Erinnerungen an Kochabende mit guten Freunden – bevorzugt wurden Rezepte, die ich nicht kannte.
Dabei stand mir oft „Manuel Gassers Köchelverzeichnis“ zur Seite. Der Autor verstand es, mich über kochende Freunde und Verwandte plaudernd zu einem Rezeptchen zu führen und dann ganz nebenbei die Ingredienzien zu verraten. Da war zum Beispiel von Marie F. die Rede, die das obige Bild schön ziert, und die ihre Gerichte in „ersten Kreisen“ fand, denn sie verkehrte „wie die Altkleiderhändlerin Frau Stuhl“ in den „Buddenbrocks“ bei besonders feinen Leuten, wo sie ab und zu ein Quentchen vom Glück in Form eines Rezepts erhaschen konnte. Aber auch die Arme-Leute-Küche war Manuel Gasser manches Wörtchen wert, und ganz entzückt war er von „Delikatem aus dem Inneren des Kalbes“.
Ich erinnere mich, wie er mich zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben verführte, die Ochsenzunge zuzubereiten. Und dies, obwohl ich vorgewarnt war, las ich doch, dass der Sonntag den Zwei-, Drei- und Vierstünder-Rezepten gehört.
Nie werde ich vergessen, wie ich die riesige Zunge mit spitzen Fingern wusch, dabei ihr Äußeres mit Argwohn betrachtete, mich während des dreistündigen Garens unter seltsam duftenden Dämpfen ständig fragte, ob das wirklich jemand essen wolle, um dann das schuppige Äußere abzuhäuten. Geradezu erleichtert war ich, als ich das Exemplar endlich in Stücke schneiden durfte, um die merkwürdig nach oben gebogene, platt zulaufende Form nicht mehr sehen zu müssen.
Ihr merkt schon: Das war jetzt nicht so ganz richtig was für mich. Aber diese Erinnerungen…

Danke Manuel Gasser.

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Aufs Häusel gehen

Am Anfang war es nur ein Projekt. Paula und ich dachten, es wäre schön, einmal Mozart vorzustellen, einige Sonaten und einige Briefe. Die Musik kennt jeder, aber wer weiß schon, dass er auch geschrieben hat, wild und bunt? Ich nahm mir ein paar Texte vor, dachte lesend, na ja, lange her. 250 Jahre lang her. Doch plötzlich war da mehr. Ich hörte seine Stimme durch die Zeilen, wild und bunt, unbekümmert und frech. Und mir wurde klar: Da schreibt sich jemand das Elend von der Seele, da wird jemand intim, um sich gegen die Zumutungen der Welt zu wehren. Kleine Kostprobe gefällig?

Bevor ich Ihnen schreibe, muss ich aufs Häusel gehen……….. jetzt ist’s vorbey! Ach!………….. nun ist mir wieder leichter ums Herz!……………… Jetzt ist mir ein Stein vom Herzen……………….. nun kann ich doch wieder schmausen!………… nu, nu, wenn man sich halt ausgelehrt hat, ist’s noch so gut leben. 

So wurde ich Mozart-Fan. Ich lernte lesend über das Leben. Über Intrigen, Fehlschläge, Erfolge, Kummer, Liebe und die ganz große Sehnsucht. Die untermalt nicht nur die Musik, sie schwingt auch in den Briefen, die manchmal so enden:

Stu! – Knaller paller –
Schnip – schnap – schnur – Schnepeperl – snai!
Fang auf – fang auf – bi – bi – bi
Drei Busserln, zuckersüße, fliegen daher.

Musik und Texte schmieden wir nun zusammen: Unsere Konzertlesung am 28. Februar, 20 Uhr, im Atelierhaus „treppauf-treppab“, In der Hilbach 14, in Heimbach, zeigt den ganzen Mozart – und hält uns den Spiegel vor, denn was er fühlt, fühlen wir auch, 250 Jahre später.

Am Klavier: Paula Schipperges, Rezitation: Ulrike Schwieren-Höger.

Der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung wird gebeten unter Tel.: 02425/ 1787 oder info@koett-gaertner.de