Ein Himmel voller Wunder

Was so naiv anmutet, ist der winzige Teil eines Wandteppichs der Sami-Künstlerin Britta Marakatt-Labba, der, stolze 23,5 Meter lang, eine Hallenwand der diesjährigen Documenta prägt. Wer sich den zarten Stickereien nähert, wird von Ungewöhnlichem berührt, denn die Künstlerin zeigt die Seelenwanderung ihres Volkes, die in einigen Passagen von hohen Himmeln voller Wunder erfüllt ist. Diese spirituelle Energie ist spürbar, ein Bild voller Verheißung, hinter der sich auch eine düstere Botschaft versteckt: Die Sami mit ihren riesigen Rentierherden sind vom Aussterben bedroht, weil Rohstoffjäger ihre Heimat im hohen Norden Europas gierig betrachten. Die zarte Kunst ist ein stiller Protest gegen die Willkür der Macht – der Documenta sei Dank, dass sie zur Diskussion beiträgt und uns zeigt, was es heißt, Spiritualität zu leben.

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