Die armen Seelen jagen

Draußen "Sie" und drinnen das Nachttöpfchen.

Moore waren von altersher umgeben von Grauen und Geheimnis. Wie sehr das „Hohe Venn“ in Ostbelgien einst gefürchtet und gehasst war, hat die Eifeler Schriftstellerin Clara Viebig in ihren Büchern hautnah geschildert.
Heute ist das beinahe vergessen. Schnellstraße ziehen durch die Landschaft. Heerscharen von Wanderern in Schnürschuh und Anorak marschieren durch die Weite. Nur wenn es dämmert oder ein unerwarteter Sturm den Touristen überrascht, wird es noch vorstellbar, das Grauen, das sich in Clara Viebigs Sprache der Romantik so anhören könnte:

Gerret wird nie warm. Selbst nachts, wenn er sich mit der Mutter ein Bett teilt, denkt er fröstelnd an „Sie“, die draußen hockt im Venn; „Sie“ mit den „schweren, nachtdunklen Flügeln“. – Und wenn die Nebel sich über den Rinnsalen wälzen, wenn die Stürme ums Haus jaulen, hört er die armen Seelen jagen, schreiend und wehklagend, die Seelen der Verlorenen, der Verirrten, die nie mehr den Weg hinaus fanden, hinaus aus dem Moor.

Letzter Absatz aus dem Bildband „Das Hohe Venn“.

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Abschied

Wenn der Gesang der Engel verstummt ist, 
wenn der Stern am Himmel untergegangen,
wenn die Könige und Fürsten heimgekehrt,
die Hirten mit ihrer Herde fortgezogen sind,
dann erst beginnt das Werk von Weihnachten.
Die Verlorenen finden.
Die Zerbrochenen heilen.
Den Hungernden zu essen geben.
Die Gefangenen freilassen.
Die Völker aufrichten.
Den Menschen Frieden bringen.
In den Herzen musizieren.

Irisches Weihnachtslied