Ringelnatz‘ Heimbach

Der Geiger von Luise Kött-Gärtner an der Rurbrücke in Heimbach

Liedchen

Die Zeit vergeht.
Das Gras verwelkt.
Die Milch entsteht.
Die Kuhmagd melkt.

Die Milch verdirbt.
Die Wahrheit schweigt.
Die Kuhmagd stirbt.
Ein Geiger geigt.

Joachim Ringelnatz

 

 

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Strumpfsinn-Lieder: Fliege und Wanze

Die Fliege hat zur Wanze gesprochen:
„Leih‘ mir doch eine Maß Blut,
Ich habe den Bürgermeister gestochen.
Aber der roch nicht gut,
und ich habe sein Blut, ohne was zu sagen,
in die Nase von seiner Frau übertragen
und gab auch der Tochter und dem Sohn
eine kleine Portion.
Und nun riecht die ganze Familie
nach Quecksilber und Petersilie
und ist voller Pickel und Flecke,
und es ist ein Vergnügen, von der Decke
aus zuzugucken
wie sie sich jucken.“

Die Wanze tat etwas fremd
und brummte: „Ach, Bagatelle!“
Und kroch dabei einem Kutscher ins Hemd.
Dort war derzeit ihre Quelle.

(Joachim Ringelnatz)