Nachts nähern sich unsere Toten

„Schon allein aus ästhetischen Gründen kann ich die Auffassung des Todes, die die meisten von uns vertreten und die ich den größten Teil meines Lebens vertreten habe, nicht hinnehmen – daher bin ich aus ästhetischen Gründen verpflichtet zu leugnen, dass etwas so Außerordentliches wie die menschliche Seele auf ewig ausgelöscht werden kann. Nein, die Toten sind um uns, ausgeschlossen, weil wir sie metaphyisch in Abrede stellen. Wenn wir nachts in unseren Hemisphären im Schlaf liegen, nähern sich uns unsere Toten. Unsere Ideen sollten ihre Nahrung sein. Wir sind ihr Saatbett. Aber wir sind unfruchtbar und lassen sie verhungern. Aber macht euch nichts vor, wir werden von den Toten beobachtet, auf dieser Erde beobachtet, die unsere Schule der Freiheit ist…“

Saul Bellow: Humboldts Vermächtnis

(Foto: Prexels)

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